Datenschutz für Anfänger: Suchmaschinen

Im WorldWideWeb zu surfen ist nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Selbst Kinder benutzen es bereits um für Hausaufgaben oder Referate zu recherchieren (und stellen sich im Zweifelsfall besser dabei an als wir ;-)). Früher musste man dafür noch außer Haus gehen, Bibliotheken und Büchereien aufsuchen, dort die passenden Bücher heraussuchen und jedes einzelne Buch nach passendem Inhalt durchsuchen. Wir mussten wissen, was genau wir suchten und wo genau wir es finden konnten. Informationen zu erlangen war ein aus heutiger Sicht langwieriger und komplizierter Prozess.
Glücklicherweise wird uns diese Arbeit heutzutage von Suchmaschinen im Internet abgenommen.

Suchmaschinen? Also Google, richtig?“

„Googlen“ ist zum Synonym für „im Internet suchen“ geworden. Daher wissen viele Leute garnicht, dass es noch weitere Suchmaschinen gibt. Wozu auch, Google ist überall vorinstalliert und weiß alles. Das ist sehr bequem und nützlich, aber birgt auch reelle Gefahren für die Informationsfreiheit. Google ist nämlich keineswegs eine reine Suchmaschine und noch weniger neutral (es unterschlägt beispielsweise bestimmte Suchergebnisse). Google ist ein internationaler Großkonzern der unter anderem eine kostenlose Suchmaschine anbietet. Aber reich geworden ist mit dem Anbieten von kostenlosen Diensten noch niemand, schon garnicht so reich wie Google. Das wahre Geschäftsmodell dieses Konzerns ist auch nicht Werbung, wie viele meinen. Der wahre Grund für die enorme Macht Googles ist der Handel mit Daten, genauer: Analysedaten.

Ich habe nichts zu verbergen…“

Leider doch, den Google ist wie bereits erwähnt nicht bloß Suchmaschine. Auf geschätzt 50-80% aller Websites läuft unter anderem ein Analyseprogramm namens „Google Analytics“. Dieses Programm ist nützlich für Websitebetreiber, um mehr über ihre Besucher zu erfahren. Klingt ebenso wie die Google Suchmaschine sehr nützlich. Doch schauen wir uns anhand eines Beispiels an was das tatsächlich bedeutet:

Ich betrete ein Geschäft. Bevor ich auch nur einen Blick auf die Waren werfen kann, kommt ein Mann in elegantem Anzug auf mich zu und fragt in welchen Geschäften ich heute schon war, welche Geschäfte ich gestern besucht habe und bei welchem Lieferservice ich letztes Wochenende bestellt habe. Er fragt mich, ob ich mit dem Auto oder Fahrrad hierher gekommen sei, er notiert sich meine Kleidung, meine Körpergröße. Als er auch noch wissen will was ich in meinen Hosentaschen mit mir führe drehe ich mich empört um und verlasse den Laden.

Dieses nicht einmal überspitzte, sondern weit untertriebene Alltagsbeispiel greift nicht ganz. Denn das elegant gekleidete Google fragt keineswegs an der Tür. Es nimmt sich alle Daten ungefragt. Alle Daten. In jedem Laden. In jeder Straße, in jeder Stadt. Die Daten aller Menschen. Der Satz „Google weiß alles“ heißt vollständig „Google weiß alles über dich“. Wissen ist Macht, und wir machen Google jeden Tag mächtiger. Auch mit jeder Suchanfrage, welche die Analyse über uns vollständiger macht. Diese Analysen aller Internetnutzer werden von Google verkauft, zusammen mit den Inhalten von E-Mails (Gmail), Standort- und Bewegunsanalysen (Google Maps), und vielem mehr. An Käufern mangelt es nicht, und so wird verständlich wie ein Konzern der nur kostenlose Dienste anbietet so reich und mächtig werden kann.

Google scheut neben der Verletzung der Privatsphäre übrigens auch nicht vor Menschenrechtsbrüchen zurück. Erst kürzlich wurde bekannt das der Konzern der chinesischen Regierung mit ihrer Internetzensur und dem Aufspüren von Regimegegnern helfen will (berichtet zum Beispiel vom ZDF: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bericht-ueber-zensierte-google-suche-fuer-china-100.html; Link aufgerufen am 10.12.2018).

Suchmaschinen? Bloß nicht Google!

Wie kann man sich aber von der digitalen Totalüberwachung lösen?

Da die ethischen Probleme des Benutzens jeglicher Googlesoftware in der Informatikwelt hinlänglich bekannt sind, wurden Alternativen entwickelt. Diese gibt es meist schon länger, kämpfen aber mit mangelnder Bekanntheit. Wir wollen mit unserem Blog einen Beitrag zur Verbreitung alternativer Software leisten.

Der erste Schritt ist Google als Standardsuchmaschine zu ersetzen. Wir haben unsere Favoriten zusammengetragen.

Qwant

Qwant ist eine toller Allrounder unter den datenschutzfreundlichen Suchmaschinenanbietern. Keine Daten werden erhoben, folglich auch keine gespeichert oder weiterverarbeitet. Auf der Startseite wird nicht nur eine Suchmaske angezeigt, sondern zum Beispiel auch Nachrichten. Es gibt eine gesonderte Kindersuchmaschine namens „QwantJunior“, mit Kindernachrichten und spannenden Beispielsuchanfragen wie „Wie groß ist unsere Lunge?“ oder „Wie schnell wachsen Tannenbäume?“. Außerdem noch eine Musiksuchmaschine. Der Anbieter kommt aus Frankreich, untersteht damit europäischem Recht und hat sogar ein Datenschutzbüro. Über den rechts oben angezeigten Knopf „Qwant installieren“ kann man diese Suchmaschine kinderleicht als Standard in den Browser integrieren.

DuckDuckGo

DuckDuckGo speichert ebenfalls keine Daten, hat aber nicht so viele Funktionen wie Qwant. Die Suche mit DuckDuckGo ist aber genauso sicher. Der Anbieter sitzt in den USA, was die höhere Bekanntheit erklärt. Auch diese Suchmaschine kann man per Knopfdruck als Standard einrichten. Gleichfalls eine hervorragende Alternative zur Googleüberwachung.

Searx

Searx bietet eine datenschutzfreundliche Metasuche an, das bedeutet eine Suchanfrage wird an mehrere andere Suchmaschinen anonym weitergeleitet, alles was den Nutzer verfolgen könnte herausgefiltert und die Ergebnisse dann wie üblich angezeigt. Diese Suchmaschine ist etwas technischer und definitiv nicht so hübsch wie Qwant oder DuckDuckGo. Falls man also die Metafunktion nicht benötigt, kann man einfach eine der beiden anderen benutzen.

Ecosia

Ecosia sollte eigentlich nicht auf dieser Liste stehen. Dieser Suchmaschinenanbieter speichert einige Daten und gibt sie auch an Werbepartner weiter. Allerdings werden Überschüsse aus Werbeeinnahmen zu mindestens über 80% an gemeinnützige Naturschutzprojekte wie „Greening the Desert“ in Burkina Faso gespendet. Ecosia bekommt seine Suchergebnisse von Microsoft, einem weiteren Giganten der Softwareindustrie ohne ausgeprägtem Interesse an Datenschutz. Der amerikanische Großkonzern bekommt von Ecosia IP-Adresse, Suchanfrage und Browserinformationen geliefert. Hier gilt es also Naturschutz und Datenschutz gegeneinander abzuwägen.

Ecosia statt Google zu verwenden ist aber in jedem Fall empfehlenswert und angebracht, weshalb sich dieser Anbieter auf unserer Liste findet.

Fazit

Die Google-Suchmaschine zu vermeiden ist ein Riesenschritt in Richtung digitale Selbstbestimmung und ein Statement gegen Großkonzerne und Monopole, die immer wieder geltende Gesetze umgehen. Doch Google ist überall. In kommenden Beiträgen werden wir Alternativen für andere gängige Webseiten, Programme und Apps vorstellen.

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